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Sonntag, 5. Juni 2011

best of rhetorical question 2011

Der so eben ins Leben gerufene Award für die treffendste rhetorische Frages des Jahres geht vorerst - und ich denke da wird sich nicht mehr viel machen lassen - an den Meister des Bloggens, Stefan Niggemeier, mit:
Warum sollte dieser Prozess mehr Vergewaltigungsopfer davor abschrecken, zur Polizei zu gehen, als, sagen wir, all die Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, die behaupten, dieser Prozess würde Vergewaltigungsopfer davor abschrecken, zur Polizei zu gehen?
Es geht natürlich um den Kachelmannprozess. Niggemeier reflektiert hierüber medienkritisch und offenbart auf hervorragend lakonische Weise den pharisäischen Charakter der medialen Berichterstattung.

Wäre ich schwul, würde ich ihn nicht nur platonisch lieben. Bleiben Sie einfach wie Sie sind, so abgedroschen das klingen mag!

Dienstag, 31. Mai 2011

Geld macht frei

Das sieht auch Lawblogger Udo Vetter im Kachelmannprozess ähnlich:
 [Es] ist viel schief gelaufen in diesem Prozess. Die Beweisaufnahme begann mit langwierigen Vernehmungen von Zeugen, die nichts dazu sagen konnten, was sich in der angeblichen Tatnacht konkret ereignet hat. Es war die Parade der Ex-Freundinnen Kachelmanns
[...]
Auch sonst war das Gericht offenbar geneigt, jedes Sandkorn lieber drei Mal umzudrehen, als sich die Chance auf eine Verurteilung Kachelmanns entgehen zu lassen.
[...]
Die traurigste Figur im Fall Kachelmann machten die emsigen Mannheimer Staatsanwälte. Sie sahen in Kachelmann von Anfang an den großen Fisch, der in der Provinz nur alle Jubeljahre anbeißt. Diese Beute galt es nicht zumindest vorläufig am Leben zu halten, sie musste frühzeitig filetiert werden.
[...]
Ein Angeklagter ohne dicke Geldbörse für Sachverständige (und natürlich Anwälte), das ist leider zu konstatieren, hätte sich wahrscheinlich ein ungünstigeres Urteil als Kachelmann abgeholt – und das auch noch viel schneller. Der Zweifelsgrundsatz ist käuflich.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: ich habe nie mit einem anderen Urteil gerechnet, einfach aus offensichtlichstem Mangel an jedweden Beweisen. Schlimm aber ist, dass das Verfahren immer mehr zum aussichtslosen Scheinprozess mutierte UND man durchaus die Vermutung gestärkt äußern darf, ein Rückgriff auf millionenschwere Spareinlagen kann ganz legitim den eigenen Verfahrensausgang begünstigen. Auf jeden Fall den Eingangs verlintken Artikel zum Thema lesen! Die zusammengefasste Urteilsbegründung gibt es als Pressemitteilung hier nachzulesen:
http://www.landgericht-mannheim.de/servlet/PB/menu/1269214/index.html?ROOT=1160629

Im Übrigen ist Alice Schwarzer wohl als "Verlierer des Tages" zu bezeichnen - ein Blick in ihr Forum lässt noch tiefer blicken:
C.P. :
Offenbar ist eine brutale Vergewaltigung in unserem Staat ein straffreies Delikt. Tschüss Rechtsstaat ! Tschüss Justiz ! Ich nehme beides nicht mehr ernst. Wir leben in einem Staat, in dem nur ein einziges Gesetz herrscht: das Recht des Stärkeren. Seidling hätte ich mehr zugetraut. Bin maßlos enttäuscht. Meine Erwartungen, was unser absolut täterfreundliches Rechtssystem angeht, haben sich wieder einmal bestätigt.

Nur einer kann sich merkwürdigerweise nicht richtig freuen, Kachelmann selbst. Er weiß, dass er wieder einmal alle verarscht hat, gereicht seiner Seele zum Schaden. Das nächste, was wir von ihm lesen werden, ist eine Scheidung, ein Come Back auf irgendeinem TV Sender, aber irgendwann kommt der Zusammenbruch bei ihm.

Armes Deutschland, Patriarchenstaat. Ich schaue nur noch nach Amerika ! Hoffe, dass DSK verurteilt wird und die Amis es richtig machen. Oltrogge und Gattner: ihr habt es richtig gemacht ! Danke !
Der Rest kann sich in Grund und Boden schämen.

Und ansonsten; Tschüss, Rechtssystem, ich vertraue diesem System nie mehr. Aus die Maus.
http://forum.emma.de/showthread.php?2172-Kachelmann/page201